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Freitag, 25. September 2015

Wie sich die Elterliche Stimmung auf das Kind überträgt

Heute war einer dieser Tage, der eher grau als bunt schien. Man steht morgens auf und es klappt nichts bis zum Schlafen. Die Stimmung von mir und meinem Sohn zieht sich durch den gesamten Tag wie ein roter Faden - nichts will gelingen, nichts klappt, keine Lust zu nichts und das Kind ist absolut nicht Kompromissbereit. Es war ein schlechter Tag für uns beide und ich hoffe sehr, dass der Morgige Tag diesen wieder durch seine positive Stimmung aufhebt und uns beide wieder ausbalanciert. 

22.00 Uhr - der Sohn ist endlich, endlich eingeschlafen. Nachdem er bereits den Mittagsschlaf ausfallen lies und seine Müdigkeit sich durch den kompletten Tag zog. Er kämpfte dagegen an, ich versuchte ihn 5 mal zu unterschiedlichen Zeiten tagsüber Zu-Bett zu bringen, die Augen fielen ihm fast zu, doch an Schlaf war nicht zu denken. Ich versuchte alles doch nichts klappte. Ich war müde, aufgrund der Schwangerschaft, er war es sowieso. Müde Mutter und müder Sohn schaffen keine gute Basis für ein positives miteinander. Endlich ist er eingeschlafen, während ich müde neben ihm wach im Bett liege und noch immer über unseren gescheiterten Tagesverlauf grüble. Ich kann nicht schlafen, zu viel geistert mir im Kopf herum. Während ich so neben ihm liege, er friedlich eingeschlafen und meine Hand fest umschlungen mit seiner, sein Atem trifft meinen - in diesem Moment fällt mir die gesamte Last des Tages ab, mein Atem wird schwerer und meine Tränen laufen die Wangen herunter. Dieser Tag hat nichts Positives für uns beigetragen und ich fühle mich schlecht. Schlecht, weil meine Elterliche Stimmung sich auf ihn übertrug. Ja, ich war es die uns den Tag kaputt machte, durch meine Stimmung, durch meine Reizbarkeit, durch meine Schwangerschaftshormone, durch meine Nerven, durch meine negativen Gedanken - all das übertrug sich auf ihn. Ich stehe auf um den Kopf frei zu bekommen, jetzt ist Zeit dafür und um den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen, zumindest in meinen Gedanken um zu verstehen wieso der Tag so verlaufen ist.

Was war geschehen mit mir. Weshalb war ich so unausgeglichen, so genervt, so gereizt, so angespannt, und müde. Aktuell geistert einiges in meinem Kopf herum. Die Zwillingsschwangerschaft und die Möglichen Komplikationen, machen mir schwer zu schaffen und kaum ein Tag vergeht ohne Sorge um die beiden. Die Geburt macht mir schwer zu schaffen, die Sorge vor einer Frühgeburt und einem Kaiserschnitt. Dann ist da der noch immer fehlende bzw. die Zusage für einen Kiga-Platz unseres Sohnes und der damit verbundene Aufwand den wir tätigen müssen, um unseren Wunsch-Kindergartenplatz zu bekommen. Wir müssen renovieren und ein bis zwei Kinderzimmer einrichten, da wir in einem alten Haus wohnen muss einiges gemacht werden. Dann die ganzen Arzttermine die ich wahrnehmen muss/sollte, um mögliche Komplikationen frühst möglich zu erkennen. All das und noch viel mehr stresst mich aktuell ungemein, was dazu führt das meine Stimmung dementsprechend ausfällt. Meine Nerven hängen am Seidenen Faden - dass in Kombination mit den doppelten Schwangerschaftshormonen ergibt eine völlig unausgeglichene Mutter. Zumindest war dieser Tag unausgeglichen und ich würde ihn am liebsten Streichen und von vorne beginnen. 

Zum Beispiel damit, dass ich gerne länger geschlafen hätte und mit meinem Sohn gerne aufgewacht wäre, Arm in Arm. Stattdessen stand ich vor ihm auf. Es wäre schön gewesen wenn mein Sohn gefrühstückt hätte, aber das wollte er nicht. Ich schmierte ihm zwei Brote die er nicht aß, ich gab ihm Obst, dass aß er nicht, einen Pudding wollte er nicht, Haferflocken auch nicht. Ja, ich war genervt weil alles geöffnet und angerührt war und er nichts davon essen wollte. Das selbe zu Mittag. Spielen, wollte er nicht. Raus gehen in den Garten auch nicht und spazieren gehen - absolut nicht. Das Wetter war hervorragend, endlich kein Regen und wir hätten uns einen so tollen Tag zusammen machen können aber er wollte einfach nichts machen. Mit ihm war nichts anzufangen, er war mies gelaunt, hungrig, später müde, er war unausgeglichen, konnte sich für nichts entscheiden und wusste einfach nichts mit sich anzufangen. Solche Tage gibt es nun - bei uns Erwachsenen wie auch unseren Kindern. Wenn wir Eltern einen schlechten Tag haben dann steht es uns zu uns schlecht fühlen zu dürfen, oder nichts machen zu wollen. Also ist es doch völlig natürlich dies auch unseren Kindern einzugestehen, sie so sein zu lassen und ihnen den Raum zu geben den sie benötigen. Es sollte uns nicht egal sein sondern wir sollten sie unterstützend begleiten und ihnen mit Ruhe, Geborgenheit, Liebe, Gelassenheit und Freude zur Seite stehen - gerade an solchen Tagen ist dies von besonders großer Bedeutung. Wenn sich die Elterliche Stimmung auf das Kind überträgt, sollte man versuchen dagegen zu lenken, man sollte auf das Kind einfühlsam reagieren, ruhig und gelassen bleiben, seine Stimme nicht erheben und dem Kind mit dem zur Seite stehen was es in dem Moment benötigt. Auch wenn es schwer fällt hilft es in solchen angespannten Situationen oftmals von 3 auf 1 runter zuzählen oder von 10 auf 1. Einmal kurz tief einzuatmen und sich selbst zu beruhigen. Wenn der Haushalt dringend erledigt werden muss und das Kind den halben Tag auf der Couch kuscheln möchte - dann kuschel ich mit ihm und lasse den Haushalt einfach Haushalt sein. Wenn das Kind stillen möchte nach Lust und Laune, jede Stunde - dann stille ich ihn und gebe ihm was er in dem Moment verlangt. Wenn das Kind hundemüde ist und nicht in den Schlaf findet, dann versuche ich alles damit er einschläft, klappt das nicht oder möchte er nicht dann muss er nicht schlafen. Wenn das Kind keinen Appetit  oder Hunger hat, dann zwinge ich ihn nicht zum Essen sondern biete über den Tag verteilt immer wieder etwas zu Essen an - möchte er nichts, dann muss er nichts essen. Auch zu Aktivitäten zwinge ich ihn nicht an solchen Tagen, wenn er stattdessen lieber zuhause bleiben möchte um zu kuscheln dann machen wir dies - die Natur kann einen Tag auf uns warten. All dies gebe ich meinem Sohn an solchen schwierigen Tagen, auch wenn es an der Situation die sehr festgefahren ist und an der Stimmung nicht viel ändert, ist es das was er benötigt. 



Vielleicht hätte es dazu beigetragen wenn ich mich in meinem Kopf frei gemacht hätte, oder selbst kurz in den Garten gegangen wäre um wieder klar zu werden oder einfach meine Gedanken versucht hätte abzustellen. Ja, vielleicht wäre unser Tag dann etwas positiver verlaufen und vielleicht hätte mein Sohn dann eine etwas bessere Stimmung gehabt. Doch meine Nerven waren völlig überstrapaziert, ich war unausstehlich und mein Sohn war es ebenfalls. Die Elterliche Stimmung überträgt sich nun mal 1 zu 1 auf unsere Kinder durch ihre feinen Antennen. Sie spüren genau was in uns vorgeht und nehmen dies in sich auf. Sowohl die positive wie auch die negative Stimmung. Gehen wir also mit gutem Beispiel voran und lassen unsere Stimmung nicht unseren inneren frieden stören und erst recht nicht den unseres Kindes. Wenn wir also das nächste Mal bemerken, dass es uns Eltern nicht gut geht, innerlich mit unseren Gefühlen, dann nehmen wir uns ein paar ruhige Minuten nur für uns selbst und versuchen uns voll und ganz auf uns zu besinnen, wieder zu uns zu gelangen, in unsere Mitte und Balance zu finden und unsere Harmonie zurück zu erlangen. Nur dann sind wir Eltern wieder ausgeglichen, bei uns selbst und nur dann kann sich unsere Stimmung nicht mehr auf unsere Kinder übertragen. Ausgeglichene Eltern haben bekanntlich ausgeglichene Kinder. 

Morgen werde ich wieder ausgeglichen sein und ein wundervoll ausgeglichenes Kind an meiner Seite haben. Mit dem ich wieder einen harmonischen, gelassenen Tag erlebe. 

Wie ergeht es Euch an solchen Tagen, habt Ihr sie und was unternehmt Ihr gegen negative Elterliche Stimmung? Was versucht Ihr um sie nicht auf Euer Kind zu übertragen?

Alles liebe, Verena.


Kommentare :

  1. Am Endre eines "Wuttages", wie ich sie nenne, weiß ich genau woher das kam: von mir. Ich wollte dann arbeiten, obwohl die Kinder da waren und mcih auch brauchten (ihrer Meinung nach). Und dann werde ich gereizt.
    Meistens also selbst Schuld.

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    1. Hallo Suse,
      Absolut. Unsere Gereiztheit überträgt sich komplett auf unsere Kinder.

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  2. Liebe Verena!
    Du hast natürlich recht damit, dass sich die elterliche Stimmung aufs Kind überträgt. Dennoch finde ich wolltest du kein schlechtes Gewissen haben, wenn du ab und zu nicht ausgeglichen bist. Das ist doch nur menschlich und normal!!! Und ab und zu hat man auch ein grantiges Kind obwohl man selbst ausgeglichen ist!!!!
    Wünsche uns heute allen einen wunderbar entspannten Tag :)
    Liebe Grüße, Gertraud

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